Um Hansi Jaul-Katz in L.A. zu sehen: mit Servas und Homeexchange reisen

Tagebücher der Los Angeles – Reise 6. – 20.8.2018

1. von Hedwig

Bericht über die Reise nach LA zu einer „verlorenen Nachbarin“ und zum ältesten Servas-Mitglied

6.8.

Im Jahre 2011 waren wir bereits in LA, um Hansi Katz zu besuchen. Da war sie jedoch nach einer Herzoperation so geschwächt, dass wir sie nicht sehen konnten. Lorenz hatte mit ihr seither regelmäßigen telefonischen Kontakt. Inzwischen ist das Buch „Reisen zu verlorenen Nachbarn. Die Juden von Wiesmath“ erschienen, Hansis Tochter Niza, ihr Schwiegersohn und der Enkel Aaron waren bei uns zu Besuch und Hansi hatte sich soweit erholt, dass sie besucht werden wollte. Sie ist jetzt 6 Jahre älter, also 92, aber besser beinander. Daher machten wir uns am 6. August auf den Weg nach Kalifornien. Niza und Mark holten uns vom Flughafen ab, brachten uns zu unserem ersten Haus (Wohnungstausch) in Venice, wunderschön geräumig ruhig an einem Kanal gelegen, natürlich belüftet und nur 10 Gehminuten vom Strand entfernt.


In Venice am Kanal

Abends sahen wir uns gleich in der Nähe um, originelle alte kleine Holzhäuschen, aber auch supermodern restaurierte, gestylte moderne Häuser wie unseres stehen da eins neben dem anderen. Zum Strand fahren wir per Rad zum Sidewalk und sehen gleich jede Menge Obdachlose, die dort ihre Habseligkeiten auf den Wiesen unter den Palmen ausbreiten.

7.8.

Am nächsten Morgen fahren wir nach West Hollywood mit dem zum Haustausch dazugehörenden Volvo zu Hansi. Beim Beverly Hill Boulevard wohnt sie im „big house“. Gefängnis heiße das im Jargon, sagt mir Niza. Dahinter in der Garage haben Niza und Mark sich ihr little house eingerichtet und sind sehr froh darüber, nicht im big house wohnen zu müssen. Sie leben eigentlich seit Jahren in West Virginia und haben dort ein Haus. Derzeit sind sie aber ausschließlich mit der Betreuung Hansis beschäftigt.


Bei der „verlorenen Nachbarin“ Hansi; mit Tochter Niza und Schwiegersohn Mark, Lorenz sowie mit dem getreuen Edi zu Hansis Füßen

Diese redet zuerst einmal redet über „ihr“ Wiesmath, alle Verwandten werden erwähnt, die Häuser, wie sie sie vor sich sieht, und sie sagt auch: „Manchmal hasse ich Wiesmath. Was die meinen Eltern angetan haben! Das Silber haben sie in Wäschekörben weggetragen und alles aus dem Geschäft auf die Gemeinde. Solche Verbrecher!“ Sie hat eine Betreuerin, die ständig um sie bemüht ist. Aber nur tagsüber. Abends und nachts sind die Töchter für ihre Betreuung zuständig. 6 Stunden bleiben wir dort, immer wieder kramt Hansi Fotos hervor, erinnert sich an diese und jene Situation, von Erschöpfung, die ich nach 3 Stunden schon verspüre, ist bei Hansi keine Spur. „I feel so lively today“, sagt sie mehrmals. Niza und Mark betonen im Laufe der zwei Wochen, die wir in LA sind, immer wieder, dass sie über unseren Besuch froh sind, weil er ihrer Mutter so gut tut.

Das Haus in Venice bewährt sich, die Gegend ist ruhig und angenehm. Wir können herrlich schlafen und spüren kaum den Jetleg. Nur einmal nachts reißt uns ein schriller Ton aus dem Schlaf. Wir suchen alles ab, finden jedoch nichts Verdächtiges. Lorenz teilt per Mail den Alarm unseren Gastgebern mit und erfährt, dass eine Spinne über den Melder gelaufen sein könnte. Besonders willkommen sind uns die Fahrräder. Wir fahren einkaufen und zum Strand.

Es ist der 8.8.

Niza und Mark holen uns von Venice ab, um mit uns das neue Museum The Broad in Down Town zu besichtigen. Wir sind ein wenig erschlagen von der großen Anzahl moderner Bilder und Skulpturen, eindrucksvoll bunt und knallig die riesigen Tulpen, und manche verstörend, wie z. B. diejenigen von Anselm Kiefer über den Krieg. Dann spazieren wir durch die von Wolkenkratzern gesäumten Straßen, auf der Suche nach einem Restaurant, kommen per Angel‘s Zahnradbahn zur recht europäisch wirkenden Alten Markthalle, in der ein Standl neben dem anderen uns nicht zum Konsumieren verlocken kann, weil es weit und breit keinen Salat zu sehen gibt und es derartig laut und stickig drinnen ist, dass wir die Flucht ergreifen. Es ist auch um diese Nachmittagszeit extrem heiß und wir spüren nun den Jetleg. Später gehen wir noch in Nizas und Marks little house auf einen Kaffee, sie erzählen uns viel über ihr Leben und wir reden über Gott und die Welt. Wir sind bereits Freunde geworden.

9.8.

Die Radtour nach Santa Monica samt Kaffee am Strand und ein wenig Baden im Ozean genießen wir. Dabei übersehen wir nicht die vielen Obdachlosen, die dort auf den Wiesen ihr Lager mit allen Habseligkeiten aufgeschlagen haben. Auch bei den Fahrten durch die Stadt machen uns Niza und Mark immer wieder aufmerksam auf die zahllosen Planen an den Straßenrändern verschiedenster Stadtviertel. Die Obdachlosigkeit zeigt sich offen und brutal. Gewöhnungseffekt ist sicher vorhanden. Niza liest uns die Statistik vor. Es gäbe 54000 Obdachlose in LA. Uns kommt vor, als müssten das viel mehr sein.

Am 10.8.

übersiedeln wir nach Pasadena. Wir überlegen lange, ob wir nicht ein Auto mieten sollten, aber Niza und Mark holen uns wieder ab und wir haben den Eindruck, dass sie das gerne tun, weil sie an unseren Aufenthaltsorten und der Art des Reisens mit Wohnungstausch und Servas interessiert sind. Sie bringen uns zu dem Haus im Arts- and Crafts-Stil, so etwas wie bei uns die Wiener Werkstätten. Der Schlüssel liegt, wie es im Mail von Susan steht, hinter der Lampe rechts von der Tür der Veranda. Das Häuschen wirkt von außen recht klein und bieder, ist innen sehr geräumig und kuschelig. Die Nachbarin steht bereits vor ihrer Tür, um uns über das Haus und die Gegend zu informieren. Unsere Gastgeber wohnten erst seit kurzer Zeit hier, seien aber öfters weg. Ihr Sohn kenne sich aus mit den Bussen. Leider nehmen wir seine Erfahrungen nicht in Anspruch. Wir werden das noch sehr bereuen.


Im Garten „unseres Hauses“ in Pasadena

Lange studiere ich die 16 Seiten house instructions; wir sollen uns im Garten, am Weinbuffet, in den Vorratskästen bedienen und das Silberbesteck verwenden, weil sie das auch gerne tun und das seit 40 Jahren. Abends gehen wir noch ein wenig spazieren, kein Mensch außer uns ist auf der Straße; die Häuschen sind von bescheidener Größe, es ist keine reiche Gegend. Vor einem einzigen Haus sitzen Leute und unterhalten sich laut, es sind Afroamerikaner, ansonsten ist alles ruhig, fast totenstill. Bis zum nächsten Geschäft ist es ungefähr eine Meile.

Am nächsten Tag

haben wir Gelegenheit, die Öffis auszuprobieren um ins Zentrum von Pasadena und zur Huntington Library samt Galerien und Park zu kommen. Busse gibt es, aber nicht zum großen Freizeitpark, dorthin wandern wir hauptsächlich zu Fuß, etliche Meilen sind es, die wir an diesem heißen Tag in die Beine bekommen. In einem eleganten Raum gibt es eine Gutenberg-Bibel aus dem 15. Jahrhundert zu besichtigen. Außerdem befinden sich in dem riesigen Park 2 Gemäldesammlungen, die uns aber nicht sehr überzeugen, die Bilder mit schönen Damen sehen wie ein Modejournal aus dem 18. Jahrhundert aus. Der Park ist weitläufig, es gibt Rosen-, Kräuter-, einen japanischen, einen chinesischen Garten usw. Überall ist zu sehen, dass die Pflanzen trotz künstlicher Bewässerung unter der Trockenheit leiden. Es hat seit Februar kein einziges Mal geregnet.

Sonntag, 12.8.

Ich mache meine Gymnastik; entdecke im großen Garten die köstlichen Feigen und Orangen, beobachte die Eichhörmchen und gieße die ausgedörrten Rosenbüsche. Mittags kommen Niza und Mark; ich habe was gekocht, wir essen miteinander, jedoch nicht mit dem Silberbesteck. Am Nachmittag gehen wir in ein Konzert in der Disney Concert Hall. Bernsteins „Westsidestory“, „Candide“ und nach der Pause noch Ausschnitte aus Beethovens 9. Wir sind eingeladen. Im Foyer ist ein Vortrag des Dirigenten. Er erklärt die Musik, das Leben der Komponisten, macht Showstimmung; es wird immer wieder gelacht. Dann fragt er, wer die Hymne Europas kennt. Wir zeigen auf, stehen aber zu weit hinten, als dass der Dirigent uns sehen könnte. Eine Person in dem Saal mit ca 300 Leuten kennt die Ode an die Freude als Europahymne. Auch während des Konzerts wendet der Dirigent sich immer wieder ans Publikum um etwas zu erklären oder eine Anekdote zu erzählen. Sehr unterhaltsam!


Bernstein und Beethoven bei Walt Disney

Unsere Plätze sind sehr weit oben; die Musiker sehen aus wie Ameisen: Am Beginn wird die amerikanische Hymne gespielt. Alle, die Orchestermusiker, der 200-köpfige Chor und das Publikum stehen auf. Die Musik ist technisch perfekt zu hören, aber es fehlt mir das Klangerlebnis. Danach gehen wir um das Konzerthaus spazieren, sitzen lange in einem öffentlichen Garten auf dem Dach des Gebäudes neben einer gigantischen Skultpur, sieht aus wie Styropor und stellt eine Blüte dar. Wir unterhalten uns über Musik, Kunst und immer wieder steht im Mittelpunkt die Hochzeitsplanung. Tochter Daniella wird im Februar heiraten und wünscht sich eine große Feier einschließlich Synagogenzeremonie. Hansi hat das Kleid bezahlt und freut sich darüber, sich das leisten zu können. Sie war ja nie reich, arbeitete als Supermarktverkäuferin und ihr Mann war Elektriker in den Hollywoodstudios.

13.8.

Nun beginnt die Servaszeit: Marc und Niza holen uns wieder ab und bringen uns nun zu unseren Gastgebern, sie unterhalten sich auch mit ihnen und beschließen, dass Daniela Servas beitreten soll. Ob das so klappt, wie sie sich das vorstellen?

Von 13.-15.8. sind wir bei Nancy: retired teacher Schweizer Abstammung, spanisch gestyltes schmuckes Häuschen im Museumsviertel, miracle mile genannt. Wir spazieren zu Fuß zum LACMA, gleich gegenüber zum Automobilmuseum und daneben zum Brea, danach zum Skulpturenpark, der leider geschlossen ist: Der riesige Felsen, der über einer Rinne liegt und die hundert Laternen sind frei zugänglich und beliebte Fotomotive. Die künstlerische Bedeutung erschließt sich weder der dort wohnenden Nancy noch uns in der kurzen Zeit. Es sind attraktive Aufbauten, die show scheint hier schon sehr wichtig zu sein, wen wundert‘s!



Lorenz mit Servas host Nancy beim Museum of Art und das Schild vor ihrem Haus

Abends fahren wir zu einem Kino in Hollywood, Nancy hat 2 Gratiskarten über ihre subscription bei Los Angeles Times, wir sind jedoch zu dritt. Sie macht sich zuerst Sorgen, aber es ist kein Problem, als die junge Frau an der Kassa erklärt, dass wir aus Wien kämen. Ein riesiger Becher Popcorn und ein Getränk im Literbecher gehören dazu. Der Film „Bookshop“ ist schön altmodisch, langsam, zeigt herrliche englische Landschaften, aber die Handlung kommt uns etwas einfach gestrickt vor und hat für mich einen unerklärlich pessimistischen Schluss.

Am 14.8.,

dem nächsten Tag, Nancy hat zu tun, fahren wir per Bus und Metro nach Long Beach und von dort per Schiff zur Insel Santa Catalina, von Renee, unserem amerikanischen Servasmitglied, empfohlen. Die Metrotrasse läuft über der Erde wie eine Straßenbahn, was uns eine gute Aussicht auf die verschiedensten Stadtviertel bietet. Auf der Insel gibt es nur einen kleinen Badeort mit Strandleben. Wir borgen uns Räder aus, aber es gibt nur eine Meile zu befahren; den Berg hinauf möchte ich bei der Gluthitze nicht. Wir radeln ein Stück bis zum Ende der Straße und setzen uns an einen freien Strand, das Wasser sieht allerdings etwas verschmutzt und nicht gerade einladend aus. Weil eine Frau schwimmen geht, traue ich mich auch hinein. Werde aber nicht ganz warm. Am Pier essen wir eine Fischsemmel miteinander, das Bier darf man nur an einer bestimmten Stelle in der Mitte des Stegs trinken. Ein junger Mann sitzt dort und liest ein dickes Buch. Das fällt auf!

Abends wird es sehr spät, weil wir so lange zum Ticketkauf am Automaten brauchen und uns der Zug vor der Nase davon fährt. Sehr unfreundliches, unamerikanisches Verhalten eines Straßenbahnfahrers! Zwei Frauen im Bus bei der Rückfahrt bemühen sich darum, uns den Weg zu unserer Staße zu erklären, fragen sogar den Fahrer, trotzdem steigen wir zu früh aus und müssen dann noch ganz schön herumsuchen und meilenweit gehen, bis wir endlich Nancys Häuschen finden. Denn vollständige Stadtpläne haben wir nicht; die City ist offenbar zu groß und die Apps schon zu verbreitet um einen Gesamtplan zu bekommen.
Am nächsten Tag in der Früh, dem

15.8.,

backen wir Pancakes, Nancy liest das Rezept aus einem alten Kochbuch vor und ich mische danach die Ingredienzen zusammen, ein Ei, viel Mehl, Backpulver und Milch, dann wird der Teig in kleinen, runden Scheiben in einer Pfanne mit Öl gebacken. Es schmeckt mit Honig und viel Obst köstlich. Nancy war schon von 6 bis 8 Badminton spielen; ich wollte auch mit, habe jedoch keine Sportschuhe dabei, daher geht dieser Kelch an mir vorüber und wir schlafen bis 8 Uhr im bequemen Bett des Gästezimmers mit Bad.

Nach dem ausgiebigen Frühstück mit Gesprächen über ihre Herkunft, ihre Familie, ihre Zeit als Lehrerin in einer Volksschule bei den Erstklasslern, geht Lorenz ins Naturhistorische Museum, das sich im Gelände des „Asphaltsees“ befindet. Dort hat man im letzten Jahrhundert tausende eiszeitliche Tierskelette aus dem Aspahlt rausgebuddelt. Die Tiere sind damals elend verendet, wenn sie in den Teer gerieten. Nancy und ich spazieren in der Nachbarschaft umher, gehen zum neuen Peterson Automobilmuseum, nur ins Foyer, das imposant genug ist, und dann zur
zweisprachigen Yogastunde, die gratis in einer japanischen Foundation angeboten wird.

Danach holen uns wieder einmal Niza und Mark von der „Berliner Mauer“ ab, die zwei Betonblöcke dieser „Skulptur“, vor einem Hochhaus, das wir am nächsten Tag dann mit Deirdra betreten werden, stammen wirklich aus Berlin. Nancy und Niza und Mark plaudern miteinander, sie versichern einander in Kontakt zu bleiben, was leicht ginge, da sie in Gehweite voneinander wohnen.
Dann fahren wir zum Whole Food, um dort noch was zu essen. Es ist gut zubereitetes Essen, teuer, was Besonderes für uns. denn zu Hause würden wir nie in den Supermarkt essen gehen. Teller und Besteck ist alles aus Karton und Plastik und wird nach Gebrauch weggeworfen. Wir erwähnen die Umweltverschmutzung. Mark meint, dass das Wasser zum Geschirrspülen auch teuer sei.

Danach machen wir eine Runde im Viertel und kommen zum Park, wo Mark immer den Hund Edi ausführt, während Niza zur Gymnastik geht. In einer Ecke dieses Parks ist ein Holokaustmuseum. Vor dem Eingang stehen hohe Marmorstelen mit historischen Kurzfassungen zu den Jahren 1933 bis 1945. Ich bekomme Gänsehaut. All dieses Elend hat seinen Anfang in Österreich, in meiner Gegend, mit Hitler und den Nazis begonnen. Da lässt sich nicht darüber hinwegtäuschen. Wir gehören dazu und in unserer Generation steckt noch viel von diesem Unheil. Wir halten uns für friedliche, harmlose Leute, aber da ist noch was in uns und in unserem Land, was immer noch nicht voll erkannt wird. Wir betreten den Gedenkraum für die ermordeten Kinder. Auf einem kleinen Tisch befinden sich in einem Kästchen Zettel mit Fotos, Namen und Daten der ermordeten Kinder. Man kann dazu etwas schreiben und dann zusammengerollt in die kleinen Löcher der Mauer stecken. Das tue ich für Sara aus Polen, gestorben 1942 in Auschwitz.
Wir fahren in das Silver Lake Viertel zu unserer nächsten Gastgeberin Deirdre M.

Vom 15.-17.8.

sind wir bei ihr in einem großen Wohnblock mit swimmingpool im Innenhof. Gleich beim Durchqueren der weitläufigen Garage des Wohnblocks erzählt sie uns von ihrer irischen Abstammung und ihrem Vater, dem berühmten Schriftsteller Christopher Marlow, ihren drei Jobs, ihrem Ehemann, der das halbe Jahr bei ihr in LA lebt und die andere Hälfte des Jahres im Osten, ihren beiden Kindern usw. Abends gehen wir auf Einladung Hansis zur Hollywood Bowl, einer riesigen Freiluftarena, wo man Picknick mitnimmt. Deirdre bereitet den Proviant vor, wir kaufen Wein und finden tatsächlich unsere Plätze ca 500 m entfernt von der Bühne auf dem Juchhe. Die Musiker sind wieder wie Ameisen zu sehen; der Stepptänzer tut sein Möglichstes, aber kann uns nicht wirklich überzeugen. Nur als er die Geschichte von dem T-shirt erzählt, das er vom Publikum auswählen lässt, und als er das anzieht mit der Aufschrift: „Barak, we miss you“ gibt es großen Applaus, der weckt uns auf. Der darauffolgende Schlagerstar ist auch nicht ganz unser Geschmack. Aber die Atmosphäre ist toll.


Step dance und Jazz im Hollywood Bowl. Fast schon eine Luftaufnahme

Am nächsten Tag fahren wir per Bus in den Griffith Park, besichtigen das Observatory mit seinen schönen Erklärungen zu Zeit, Planeten, Jahreszeiten, Tag und Nacht usw. Wunderbar aufbereitet, wie es die amerikanische Museumsdidaktik kann.
Danach wandern wir durch den Berlin forest zum Hollywood Mount hinauf, ziemlich heiß und wüstenartig. Wir sollen keine Abkürzungen nehmen und, weil das einige nicht ernst genug nehmen, wird dramatisch vor Klapperschlangen gewarnt. Herrliche Aussicht belohnt uns und beim Dante‘s View-Plätzchen fühlen wir uns endlich wirklich auf Urlaub.

Abends gehen wir mir Deirdre in ein chickes Restaurant, das sie ausgesucht hat, in der Nähe, sagt sie. Trotzdem fahren wir ca 20 Minuten mit dem Auto hin; essen köstlich Gemüsiges, unterhalten uns über Gott und die Welt, allerdings mit der Schwierigkeit, dass wir wegen der Musikberieselung und der Lautstärke des jugendlichen Publikums eher wenig verstehen.Für nächsten Tag hat Deirdre uns was Besonderes organisiert: „Oscar on tour“, ob wir da mitmachen wollen? Keine Ahnung, was das sein sollte. Auch Nancy war gespannt, als wir ihr davon erzählten. Rendez-vous ist in dem Gebäude bei der Berliner Mauer. Dort befindet sich das Baubüro des Academy museum of emotion pictures und da beginnt die Oscar on tour, die Besichtigung der riesigen Baustelle des neues Filmmuseums. Deidres Freundin begrüßt uns und führt uns zur Kuratorin. Sie ist Linzerin, lebt seit Jahren in LA, sehr sympathisch, hat eine Ausstellung über jüdische Hollywoodkünstler, die aus Deutschland in die USA geflüchtet waren, kuratiert. Lorenz erzählt von seinem Buch. Und schon werden verschiedene Buchtitel und Visitenkarten ausgetauscht. Wir bekommen Leuchtwesten, feste Schuhe und Helme und dann geht die Tour los. Zuerst sehen wir die Modelle vom Museum, eine Weltraumschiff soll die riesige Kugel darstellen. Der Sicherheitsverantwortliche lotst uns durch die Baustelle vorbei an Schweißern, Bohrern, Eisenträgern, Kränen und erzählt von Baustellenproblemen. Sensationell, so etwas zu sehen. Hinauf auf eine Brücke geht’s per Baulift. Von dort sieht man das Hollywood sign und wenn alles fertig ist, hält man sein Handy hin und kann mittels App einen Film über das historische Hollywood sehen. Freilich, nächstes Jahr, wenn das Museum eröffnet wird, müssen wir wieder kommen. Herzliche Verabschiedung von Deirdre, unsere zweite Gastgeberin.


Servas host Deirdre, Lorenz und Hedwig auf der Baustelle, aus der nächstes Jahr das Academy Museum werden soll

Und wieder holen uns Niza und Mark ab und bringen uns zu unseren nächsten Gastgebern, Dennis Mogerman und Shea

Vom 17.-19.8.

sind wir bei ihnen, wie anfangs jetzt wieder in Venice. Abends gehen wir mexikanisch essen, Dennis ist begeistert von diesem Food, wir haben schon etwas Sehnsucht nach unserem frischen Gemüse.
Der zweite Höhepunkt am nächsten Tag ist der Besuch bei Anni Wagner-Lampl in den hills über den canyons hinter Hollywood. Sie ist sicher das älteste Servasmitglied, im Oktober wird sie 101 Jahre. Dennis hat uns im Vorfeld informiert, dass Anni Schwimmerin bei Hakoah im Wien der 30er Jahre war. Lorenz hatte den Hakoah-Vizechef von unserem Vorhaben, sie zu besuchen informiert. Wir haben also ein Packerl mit Sachen und einem Brief von Hakoah mit. Man erinnerte sich dort sofort an sie, weil Israelis Anfang 2000er einen Film über die Hakoah-Schwimmerinnen gedreht haben.

Als wir das Haus betreten, sitzt Anni bereit für den Besuch im großen Wohnzimmer, richtet jedoch nicht den Blick auf uns. Wir wissen bereits von Dennis, dass sie seit Jahrzehnten blind ist. Die Betreuerin meint, wir sollten uns neben sie setzen und legt ihre Hand auf unseren Arm. „Also, Sie kommen aus Wien. Ich habe bis 1939 in der Josefstädterstraße 56, gegenüber von der Lärchengasse gewohnt. Wissen Sie, wo das ist?“ Zuerst mit schwacher, dann immer fester werdenden Stimme und im Josefstädter Hochdeutsch. „Ja, wir wohnen so 10 Häuser unterhalb auf der linken Seite.“ antworte ich. Sie spricht weiter: „Aber dann haben uns die Nazis vertrieben. Ich hatte eigentlich keine Probleme mit ihnen, weil ich blond war. Mein Verlobter konnte schon 38 weg. Ich hätte ihn auf der Stelle heiraten müssen um mit ihm gehen zu können. Das wollte ich nicht. Ein paar Jahre später in LA habe ich ihn dann eh geheiratet.“


bei Annie Lampl, mit 101 Jahren die Doyenne aller Servas-Mitglieder

Sie erzählt , dass sie im Hinterhof des Hauses in der Josefstadt mit ihrer Schwester als Kinder davon geträumt hatte, einmal einen Garten mit großen Bäumen zu haben. „Das hat der Hitler mir verschafft. Hier habe ich jede Menge große Bäume um mein Haus.“ Sie war Psychologin, hat 2 Söhne und 2 Enkelsöhne, die alle weit weg wohnen, aber zufällig waren ein Sohn und ein Enkel an genau diesem Tag auch zu Besuch. Wir lernen auch sie kennen.

Dennis und Shea haben ein Lunch mitgebracht, Anni hatte Apfelkuchen verlangt und besteht darauf, dass wir den essen. Als wir ihr erzählen, dass wir in LA sind, um Hansi Katz zu besuchen, sagt sie sofort, dass sie sie kennenlernen möchte. Abends sind wir dann noch auf ein dinner bei Hansi eingeladen, die erweiterte Familie ist eingetrudelt, es gibt koscheres Essen. Dennis und Shea kommen uns später abholen und genießen das „traditional food“. Als Hansi erfährt, dass wir Anni besucht haben, möchte auch sie sie kennen lernen.

Sehr bewegt von diesen Begegnungen, die uns wie Zeitreisen vorkommen, fahren wir spät nach Hause. Am nächsten und letzten Tag führt uns Dennis noch zu verschiedenen Supermärkten, den Kathedralen der modernen Großstadt, und weiß zu allen was zu erzählen, billiger, teurer, gute oder schlechte Behandlung der Angestellten. Am Nachmittag schlägt er vor, noch mit dem öffentlichen Waterbus in Marina del Ray spazieren zu fahren. Das tun wir auch, ich schon etwas nervös, und sehen viele Seehunde sowie eine Yogastunde am Wasser auf Ruderbrettern und hübsche Frauen, die ihre Hündchen und sich auf den Brettern durch die Gegend rudern und bewundern lassen.


bei unseren Servas hosts Shea und Dennis

Im Fisherman‘s Village spielt eine Band auf und zu Blues und Boogies tanzen Oldies mit Rollator und ohne wie wir. Ein schwungvoller Abschluss unserer Reise. Von hier führen uns Dennis und Shea direkt zum Flughafen. Herzlicher Abschied mit Beteuern, dass man einander wiedersehen möchte.

Eine Woche später kommt bereits das Foto über das Treffen der beiden Frauen Anni und Hansi in Hollywood. Sie freuen sich, einander kennen zu lernen, sich in ihrer Muttersprache miteinander unterhalten und Erinnerungen austauschen zu können.
Auch das hat Servas ermöglicht!

Servas lebt! Es lebe Servas! Hoch! Und viele Jahre noch!

2. von Lorenz

Montag 6.8.18

Schon früh um ¼ 9 mit dem Taxi, Fahrer aus Bosnien erzählt Witze aus dem Bosnienkrieg, zum Flughafen, 3. Terminal; eingecheckt sind wir, bloß will die Maschine keine selbstklebenden Gepäckschleifen ausdrucken, der 3. Mensch, am Schalter, nimmt schließlich die von mir daheim ausgedruckten und gibt sie in eine Plastik-Hülle. Das funktioniert. Statt um 11h starten wir um 11.30, angeblich hat die Hitze von über 30 Grad damit zu tun.

In Zürich kommen wir so an, dass wir und die anderen, die nach LA wollen, ziemlich hasten, um zum Anschluss zu kommen, ist aber beides Swiss, also kommt es sie billiger auf uns zu warten. Auch dieser Riesenvogel startet dann eh erst wieder mit ziemlicher Verspätung. Ich schau mir vier Filme an, zwei, die Hedi schon gesehen und mir erzählt hat, nur in Ausschnitten: Aurore, The Leisure Seeker, einen über einen jungen Kultautor eines Buchs „Suburban tragedy“, der sich davon macht – ein schwarzes Bild über die Zustände im Mittelstand, bloß den Namen weiß ich nicht, und „The Bookshop“, jedenfalls geht es überall um die miesen Beziehungen, in denen wir zueinander aufgestellt sind, überall natürlich auch um die Schwierigkeit der Paarbeziehungen, bei Aurore mit dem klassischen Happy End, bei den anderen auch das, aber doch auch mit Tragik.

In L.A. braucht die Immigration Control gut zwei Stunden, um uns durchzuschleusen, da war es seinerzeit mit dem Ostblock noch leichter. Mark und Niza holen uns ab, sie haben „nur eine Stunde“ gewartet und sich die Zeit damit vertrieben, die Leut zu beobachten. Es ist jedenfalls ein bissl kühler hier als daheim, überhaupt dann in Venice, das am Meer liegt. Das Haus ist neu, spielt alle Stückl. Niza und Mark kommen kurz mit herein, die Anweisungen, die wir gekriegt haben, um reinzukommen, sind klar und einfach zu befolgen, Larry und Debby, die Eigentümer, sind auf Bali. Die Umgebung mit den vom Anfang des vorigen Jahrhundert übriggebliebenen „venezianischen“ Kanälen eines Vergnügungsviertel, das sich schließlich 1926 als Venice nach L.A. eingemeindete, zeigt zum Teil noch hübsche alte Holzhäuser. „Unsere“ Frontseite gewährt einen Blick auf solche, und „natürlich“ liegen wir an einem solchen Kanal, gleich rechts auch ein Brückerl drüber.

Als Vergnügungsviertel war es nur teilweise ein Geschäft, die Prohibition hat es schließlich sehr geschädigt. Die Häuser und Kanäle sind dann ziemlich herabgekommen bzw. wurden letztere zu einem großen Teil zugeschüttet und durch Straßen ersetzt. Niza sagt, in ihrer Jugend gab es in diesem billig gewordenen Viertel Verfall, Alternativkultur und Drogen. Heute ist hier wohlhabender Mittelstand, außer jemand hat hier vielleicht so ein Häuserl geerbt. Etliche stehen zum Verkauf, haben wir am Abend gesehen, wie wir zum Strand gepilgert sind. Wir haben uns nämlich noch bis 10 Uhr abends Ortszeit wachgehalten, was in Wien immerhin schon 7 Uhr früh Dienstag war.

Dienstag, 7.8.18
Haben gut und recht lang geschlafen. Das Rezept mit dem bis 10 Uhr abends mit dem Schlafen gehen nach dem Flug warten scheint zu funktionieren.
Wir aktivieren zwei Fahrräder in der Garage und fahren an den Strand. Mäßiger Wochentagsbetrieb, gehen auf den Pier hinaus. Recht viele Fischer da, daneben Tafeln, die vor verseuchten Fischen und Fischarten warnen und wie üblich hier etliche Verbotsschilder für alles und jedes. Unten üben etliche junge Leute das Wellensurfen. Meister sind keine drunter. Am Radweg spricht uns ein Mann unseres Alters an. Woher wir sind, fragt er, seine Familie wohnt hier seit 1919, sagt er stolz. Ist ja schließlich schon spekakulärer hier in L.A. zu sein als meine paar hundert Jahre Wiesmath-Ahnen. Wir fahren schließlich zu einem „Whole Food“ Supermarkt, ganz schön weit hier alles. Whole food ist nicht einfach organic stellen wir fest, sollte ich eh schon lange wissen. Kaufen nur drei Kleinigkeiten ein, weil Dans Visa debit cards, mit denen er seinen versprochenen Beitrag zur Übersetzung des Buchs zahlt, noch nicht da sind, die sollen so gut wie Cash sein, wie es heißt.

Wieder daheim. Für 1 h Lunch bei Hansi, Niza und Mark angesagt. Fahren erst um halb los, mit dem Volvo, dem ältesten der drei Autos. Ich fahre los, das Ding meldet, dass Parkbremse angezogen. Frage einen Autofahrer am Straßenrand, wo die denn zu finden sein könnte, er zeigt mir, wie ich sie löse. Kommen mit einiger Verspätung an. Herzlicher Empfang durch Mark und Niza. Hansi drückt und busst mich. Wir sehen uns zu ersten Mal. Wir reden, lunchen und reden weiter, von ½ 2 bis ½ 8! Erfahre ein paar Korrekturen und Neuigkeiten, sonst viel Wiederholungen, ihre Zerrissenheit zwischen Nostalgie und Hass auf Wiesmath. Hedi redet mit Niza und Mark, erfährt einiges über Hansi und die restliche Familie, auch von den schwierigen Dingen. Wär ja ein Wunder, wenn es sowas nur bei uns gäbe. Ruth taucht nicht auf, arbeitet laut Niza auch nicht an der UCLA, wie Hansi immer sagt.

Schließlich müde Heimfahrt.

Mittwoch 8.8.18

In der Früh in ein Strandcafe zum Frühstück, üppig, Hedi bereut es später, ich bin für sowas zu verdauen geschaffen. Wieder zu Mark und Niza, Hansi soll diesmal nix merken, sonst komme ich nicht weg, sagen sie. Wir gehen also ins „little house“, in die zu einer schönen Ein-Zimmer-Wohnung erweiterte und umgebaute Garage. Mark kann sowas! Die Mauern sind dünn, aber gut isoliert. Gegen die Hitze vor allem, sagt er. Sie wollen mit uns nach downtown. Wir fahren lange den Wilshire Blvd entlang, kommen schließlich zu den Wolkenkratzern, Mark ist erstaunt, wie viele es geworden sind. Ist seit langem das erste Mal hir. Wir gehen in „The Broad“ (Name der stiftenden jüdischen Familie), so neu, dass es nicht einmal im Reiseführer steht. Eine Sammlung zeitgenössischer bildender Kunst, vor allem Gemälde. Eindrucksvoll – siehe Bilder und Beschriftigung, mich haben am meisten Kara Walkers Kritik am Rassismus und Anselm Kiefers Darstellung des Gangs der deutschen Geschichte zum NS beschäftigt. Mit einer alten Gleisseilbahn von 190x noch tiefer in die Downtown, den Markt dort verschmähen wir fürs Lunch. Fahren schließlich durch einige Viertel mit Koreanern und Filippinos als prägenden Ethnien zurück zu Nizas und Marks Neighborhood, unterwegs eine Gegend mit einer großen Menge homeless people auf den Trottoirs und in Parks. Niza schaut auf dem Handy nach, an die 60.000 von den 13 Mio. gibt die Stadt bze. das County zu. Wir laden die beiden zum Lunch in ein ihnen vertrautes Lokal ein. Ist doch eine Kategorie über fast food. In Kalifornien ist „organic“ durchaus in. Danach ins Little House zu Kaffee und Keks. Dann heim.

Donnerstag, 9.9.18

Von Junior wieder Nachrichten über gela. Naja, war auch schon unbeschwerter. Wir überlegen, ob wir auf die Insel Santa Catalina fahren. Schließlich doch einfach mit den Rädern kilometerweit bis nach Santa Monica. Auffällig wie viele Elektroscooter unterwegs sind, alle mit der Aufschrift „Bird“. Viele stehen dann verlassen irgendwo am Rand des Fahrradwegs oder liegen einfach auf dem Weg. Ich schau schließlich nach: Man kann sie einfach per Handy entsperren und benutzen. Offenbar tun das viele, bis die Batterie leer ist und lass sie dann einfach stehen. Wir radeln genau bis zur Stelle, wo die Straße steil runterkommt zum Strand, die weiter oben der Sunset Blvd ist. Das war wahrscheinlich vor etlichen Jahrzehnten noch malerisch, heute einfach scheußliches Straßen- und Tankstellenbild.

Der Felsabfall zieht sich weit dahin und wäre ohne Autos und Häuser viel eindrucksvoller. Herunten am Strand ist Gentrification voll im Gang. Die alten kleinen Häuser machen Platz solchen sicher bequemen, manchnal durchaus geschmsckvollen Häusern wie dem „unseren“, oben auf der langen Felswand große Appartmentanlagen, ja -türme. Der sich schlängelnde Radweg ist ziemlich belebt, auch von den allgegenwärtigen, offenbar spottbillig zu mietenden Elektroscootern. Wir kehren zu eine Jause ein, sitzen mit Sonnenschirm und auf Fauteuils oder so im Sand, schauen auf den weiten Sandstrand, hören alte schmalzige Hadern, nuckeln am Kaffee und verzehren organic, ja was, doch eher fast food. Dann gehen wir die paar hundert Meter vor zum „Stillen Ozean“. Der rauscht ganz schön heftig. Warmes Wasser, eine Menge Leute tummeln sich drin und spielen mit den Brechern. Die Badewächter kommen mit roten Plastikdingern und schwenken die zur Warnung derer, die sich zu weit hinausgewagt haben.

Schließlich zurück mit den Rädern. Zur Marina del Rey. Radeln durch ein Appartmentviertel mit einem Namen mit Marina, brandneu, geschmackvoll, im Zentrum die Infrastruktur, die sicher nicht von den Bewohnern betreut wird, das machen Latinos, wir sehen einen, und paar Bewohner, die sich am Ufer in Liegestühlen räkeln. Wir kommen schließlich zum Washington Blvd mit dem Bioladen, den Hedi gesucht hat. Dann auf kurzem Weg nach Haus. Hedi schläft einige Z eit, ich fang an, zu checken, ob wir ein Auto mieten und wie wir sonst von hinnen nach dannen kommen. Schließlichm macht Hedi Abendessen. Mir fallen dann die Augen zu, ich geh also schlafen.

Freitag, 10.8.18

In der Früh Packen. Ich fahre mit dem Volvo nachtanken. Herumlungern im Haus und auf der Terrasse. Junior gratuliert zum Namenstag, ich habs schon gestern getan, weil es da bei ihm schon heute war. Susi gratuliert auch. Die vergisst das nie – na bei dem Vorleben! 🙂 Es ist warm, aber nicht heiß. Erst seit gestern weiß ich, dass auch im benachbarten Orange County ein gewaltiger Waldbrand lodert. Um 1.xx Uhr schrill zweimal ein Alarmton, dann ist es wieder ruhig. Ich schreib es am Nachmittag per Whatsapp Larry. Er vermutet, es war ein Feuermelder, bei dem eine Spinne über einen Sensor gekrochen ist. Um halb 11 kommen Niza und Mark, sie holen uns ab, um uns nach Pasadena zu bringen. Sie erzählen später, dass Hansi ihnen Geld gegeben hat, damit sie uns betreuen, ich würde sagen: verwöhnen können.

Wir fahren über eine der Stadtautobahnen durch die Downtown mit ihren zum Teil brandneuen Wolkenkratzern, aber auch mit Schildern zu „The Broad“ und „Moca“, dauert sicher über eine Stunde vor Pasadena die Verbauung lockerer und die vor Jahren einmal abgebrannten Berghänge sichtbar werden.

Das Viertel, in dem „unser“ Haus liegt, ist nicht wohlhabend, auch Susan und George‘s Haus ist einfach, es ist „arts and crafts“, wie die von William Morris ausgehende Bewegung, Kunst, Produktion und Zweckmäßigkeit zu verbinden, genannt wird. Morris meinte eine egalitäre Gesellschaft, in der die materielle Produktion von Kunsthandwerk in Freude und Kreativität betrieben wird, vom Kapitalismus inhaliert wurde sie als „Design“. Ich frag mich immer wieder, ob die Bewegung auch in dieser Verstümmelung noch etwas von ihrem emanzipatorischen Drive behalten, dieser nur „in Fesseln“ liegt.

Das Haus ist eher „schnuckelig“ eingerichtet, hat aber einen breiteren Garten als die Nachbarn und eine Garage, noch am Tor als solche erkennbar, die aber als „Studio“ gestaltet ist. Im Garten die Obstbäume recht wenig gepflegt, schließlich haben die beiden auch in Santa Fe ein Haus. Der Sohn aber wohnt hier in der Gegend. Niza und Mark sind vom Wohnungstausch fasziniert, freuen sich darüber, hier durch eine fremde Wohnung zu streichen, es gibt immerhin ein Wohn- und Esszimmer, eine große Küche, ein „Büro“, zwei Schlafzimmer mit eigenem Bad.

Wir fahren mit den beiden hinunter ins Zentrum der Stadt mit dem großen Rathaus und suchen das von Niza auf dem Handy gefundene Whole Foods. Riesiger Supermarkt auf 2 Etagen, nicht viel Betrieb, wir lunchen mit Selbstbedienung, die Frauen gehen einkaufen, Mark erzählt mir aus seinem Leben und schließlich über die Möglichkeiten, die englische Übersetzung des Buchs zu publizieren. Werd mir das von einem Wissenschaftsverlag zugesandte Formular ansehen, bin aber dafür, echte Schritte erst beim Vorliegen der Übersetzung zu machen.

Wir sitzen dann noch „daheim“ ein bissl zusammen, dann müssen die beiden zurück zu Hansi, Ruth und Erika, der Pflegerin. Hedi und ich richten uns ein, ich beschäftige mich mit gela, dann essen wir zu Abend und gehen noch spazieren. Kaum wer auf der Straße, nur ein paar Schwarze sitzen vor ihrer Garage und reden laut.

Samstag, 11.10.18

Noch eine liebe Erinnerung an „La notte di San Lorenzo“. Ja, den Film muss ich mir wieder anschauen! Wir wollen heute zu „The Huntington“. Da hat ein Eisenbahnmilliardär was für Kultur und Wissenschaft tun wollen: ein Park inkl. Wüstenpark, japanischem und chinesischem Garten, einer Bibliothek mit alten Drucken ab einer Gutenberg-Bibel bis zu amerikanischen Bürgerkrieg Angesprochen haben mich (die Erklärungen zu)
Garcilaso de la Vega (1539 – 1616), Sohn eines spanischen Adligen und einer „Inka-Prinzessin“, der eine Geschichte der Inka geschriebe hat, in der er ihre Errungenschaften hervorhebt, nur ihr Heidentum bedauert,
Bischof Bartolomé de las Casas (1484 – 1566), der sich gegen den Theologen Juan Ginès de Sepúlveda gewendet hat, der die Auffassung vertreten hat, das die Indios gerechterweise zu bekriegen und versklaven seien;
Pedro de la Gasca (1485 – 1567), der König Karls I (im römischen Reich wohl V.) Verbot der Sklaverei vertritt – auf Cuba und Hispaniola sind die Indios als Bergwerksklaven benutzt und damit ausgerottet worden. [Die Lösung war dann freilich die Verschleppung und Versklavung von AfrikanerInnen.]

Die Porträtgalerie des Ehepaars Huntington mit Engländern des 18. Jh. macht für mich im Ambiente der kalifornischen Illusion, man könne eine Wüste auf Dauer schadlos zu einem industriellen Obstgarten mit einer üppigen, wasserverschwendenden, überhaupt einfach auf Geld“Wachstum“ und „Ressourcen“Verbrauch bedachten Lebensweise machen, den Eindruck einer Dokumentation der historischen Proponenten einer solchen (lettzlich: Auto)Aggression gegen die lebendige Welt. Interessanterweise war Frau Huntington sehr am Stil und an den Personen Louis XVI. und Marie Antoinette interessiert.

Im erst vor wenigen Jahren hinzugekommenen Pavillon für Amerikanische Kunst allerdings habe ich viel realistischere Bilder heutigen Lebens gefunden. Besonders beeindruckt hat mich ein kleines Gemälde eines K.O.-Schlags in einem Boxkampf, der nach der Beschreibung das K.O. der letzten weißen Hoffnung auf einen Sieg gegen einen Afroamerikaner in dieser Sparte war. Der Maler ist dann übrigens in den Dreißigerjahren selber an den Folgen einer Wirtshausrauferei gestorben.

Wir lunchen dort, gehen ein wenig in der Hitze spazieren und freuen uns schließlich an einer Sippe, deren Kinder und Teenager ausgelassen herumhüpfen und singen.

Aber zurück zum Weg dorthin (und zurück)! Wir haben ja kein Mietauto genommen und wollten mit städtischem Rad und Öffis unterwegs sein. War ein Reinfall – der wahrscheinlich große Reinfall war, dass die Stadträder keine ausländische Telefonnummer akzeptiert haben. Damit ist der nur in Ansätzen vorhandene Öffi-Verkehr schlagend geworden. Die „Metro-App“ hat gleich gesagt, dass zu „The Huntington“ nix hinfährt. Dass es an Bus-Stationen keinen Hinweis darauf gibt, wann denn ein Bus kommt und welche Stationen es da gibt und dass die Busse nur in Abständen von so 20 min und mehr fahren, ist das nächste, denn die App per Data Roaming zu verwenden, kostet unter Umständen so viel wie ein Taxi. Wir sind also zu Fuß gegangen. Ist sehr aufschlussreich. Wir haben beim Hinuntergehen ins Zentrum die Neigborhoods der kleinen Haus- und Grundstückeigentümer gesehen, auch die einstöckigen Appartmentkomplexe der verschiedenen Einkommensklassen, die entsprechenden Sauberkeitsgrade, einmal auch am Straßenrand offenbar schon länger lagerndes Gerümpel samt einem Autowrack, und die prächtigen Häuser und Gärten der well off Middle Classes, die sich alle nicht wirklich durchmischen, gesehen, auch wie sich in Zentrumsnähe die Gentrifizierung mancher ärmlicheren Gelände abspielt. Der Flächenverbrauch liegt pro Kopf weiter über jeder Großstadt bei uns, aber mit der Verhüttelung an den Stadträndern und dem ungebrochenen Bauboom von Einfamilienhäusern auf dem Land machen wir sicher schon „Terrain wett“ . Zweimal gab es einen „Garagenverkauf“, wo also Leute Sachen, die sie nicht mehr brauchen, vermarkten, auch zwei so kleinen Holzhäuschen auf Stangen (wie für Vogelfutterkrippen), wo man Bücher entnehmen oder reinstellen kann, sind wir begegnet – daher sind sie also zu uns gekommen. Aus solchen Quellen speist sich Bibliothekarin Nizas weiter gehender Bücherfundus, den „Little House“ jetzt grad nur mehr als Stapel bewältigen kann. In den weniger bemittelten Gegenden begegnet man von Zeit zu Zeit Leuten, sie grüßen freundlich, als wären wir Bekannte.

Auf der Rückfahrt, ja, wir haben auf der Los Robles Ave tatsächlich einen Autobus in unser Viertel erwartet, ist an einem bus stop ein hagerer, älterer, ärmlicher Mann mit Hut eingestiegen, hat auf der Stufe zum Bus das Gleichgewicht verloren, ist zurückgestiegen und hingefallen. Ich bin hinausgelaufen, Hedi hat gemeint, ich soll ihn nicht bewegen, er könnte sich ja am Kreus verletzt haben, er hat sich aber selber bewegt und sich nur von mir aufhelfen lassen. Eine Bierflasche in seinem Plastiksackl ist zerbrochen, wir haben es auf dem Trottoir stehengelassen, der Mann ist brabbelnd (ich hab nicht einmal verstanden, ob er spanisch oder englisch gesprochen hat) eingestiegen, hat sich hingesetzt und immer wieder bei mir bedankt. Der Fahrer aber ist nicht weitergefahren, er hat wo angerufen, den Vorgang geschildert und die Anweisung bekommen, er soll die Personalien des Manns aufnehmen und Zeugen dokumentieren lassen, was vorgefallen ist. Dafür hatte er kleine vorgedruckte Formulare, hat gefragt, ob wer was zum Schreiben da hat, und die Zetterl an uns verteilt und ums Ausfüllen gebeten. Er hat sie dann eingesammelt und verstaut. Erst dann sind wir weitergefahren. Beim Aussteigen aber hat mir eine Frau anerkennend auf die Schulter geklopft und auch der Busfahrer hat sich bedankt.

Wir machen Spaghetti zum Abendessen und werden saumüde. Hedi schläft schon fest, als ich so um halb zehn auch aufgebe.

Sonntag, 12.8.2018

Heute haben uns wieder Niza und Mark abgeholt. Sie sind von Hansi „for the Wiesmath-thing“ sozusagen freigestellt. Sie haben uns zu einem Konzert in der Disney Concert Hall eingeladen. Das Gebäude ist wie die ganze Umgebung keine 20 Jahre alt. Die Form eines geschwungenen oben schräge abgeschnittenen Grasblatts zieht sich durch die metallverkleidete Beton- und die Holzstrukturen bis hin zum Plafond und der Orgel durch. Schaut sehr kühn aus. Oben gibt es noch einen öffentlichen Dachgarten, in dem wir nach der Vorstellung im Schatten gesessen sind und geplaudert haben. Victor Vener, Gründer des California Symphony Orchestra, dirigierte, Bernstein hat dieser Tag 100. Geburtstag, Stücke aus der Westside Story, Candide und On The Town. Die beiden letzteren Musicals waren mir unbekannt. Als Abschluss der 4. Satz der 9. von Beethoven. Der Chor war riesengroß, das Orchester überraschend klein – ob das wie bei den Symphonikern auch den Grund hat, dass man Beethoven so schneller und damit „originaler“ spielen kann. Dass die Ode an die Freude was Kriegerisches an sich hat, ist mir da durchaus wieder gekommen. Die Westside Story hat mich im Kino mehr mitgerissen, aber das 1965. Draußen auf der Straße hängt ein großes Plakat von Dudamel, sodass ich geglaubt habe, er wird dirigieren, wie er zum 100. Geburtstag von Mahlers 9. diese in Wien dirigiert hat, wo ich ihn ja zum ersten und bisher letzten Mal gehört und gesehen hab.

Niza und Mark erzählen von der jüdischen Gemeinde in Huntington W-Virginia, die nach einer kleinen Blüte jetzt wieder schrumpft und den Abgang ihrer Frau Rabbi, die ihrem Mann nach Florida folgt, vielleicht nicht mehr verkraftet. Die Synagoge hat für einen Tag die Woche schon eine christliche Kirche gemietet. Da hat es Schwierigkeiten gegeben, weil einige schwule Juden, die wegen der Toleranz der Gemeinde zu dieser konvertierten, dagegen waren, weil diese Christen sich von ihrem Kirchenverband grad wegen dessen Toleranz getrennt hatten. Auch von einem schwlen Rabbi war die Rede, den Mark in seine Firma gebracht hatte, der aber – ein No go – einen schwulen Porno auf seinem Firmenhandy hatte, das der blinde Organsator einer Eröffnungsfeier dem Governer reichte, weil drauf ein Video über die Firma ablaufen sollte. Die Liberalität Kaliforniens schätzen beide sehr.

Niza zeigt uns dann die renovierte Union Station, eine Bahn- und Busstation mit sehr vornehmem Flair und tollen Fauteuils in der Wartehalle. Dann zurück nach Pasadena zum Dinner in einem italienischen Lokal. Wir erzählen uns gegenseitig. Niz möchte ihre Tocher Daniela auf Servas und homeexchange aufmerksam machen. Bei den Pensionen ist es so, dass man neben einer staatlichen Grundpension Geld anlegen muss und dabei auf hohe Verwertung aus sein muss, weil man sonst der Altersarmut anheimfällt. Nach langem Geplauder führen sie uns zurück nach Pasadena. Bis morgen, da brinden sie uns zu unserem ersten Servas-host, Nancy Brashears in die Stanley Ave, in der Nähe ihres Hauses. Hansi ist durch ihren Mann und die fordistische Periode pensionsmäßig besser abgesichert und bekommt auch aus Österreich ein Pflegegeld.

Montag, 13.8.2018

In der Früh gießt Hedwig den Garten, wir packen und kehren ein wenig zusammen, wir haben kaum Schmutz gemacht. Ich beschäftige mich mit gela und Tagebuch. Dann wird noch Mittagessen gemacht. Ich sehe im Wohnzimmer ein Bild, wo offenbar unsere Tauschpartner mit Hillary Clinton und eins, wo sie mit Frau Obama drauf sind. Niza und Mark kommen gefahren, wir lunchen, stellen fest, dass es wenige Familien gibt, wo es keine Schwierigkeiten gibt, wenn man genauer hinschaut, Niza erzählt von Hansis Arbeiten, von der Zuckerlherstellung bis schließlich zu einer guten Stellung in einem Supermarkt. Sie hatte und hat eine gute soziale Absicherung durch ihren Mann und die eigene Arbeit. Sie hatte offenbar ein fordistisches Arbeitsethos, ganz straight, ohne Kurven und Krümmungen, und sie möchte gern bis fordernd, dass alle so sind.

Wir legen unsere Tauschpartner noch einen Wieblock mit ebensolchem Kuli parat und hinterlassen ein paar Zeilen, dann führen uns die beiden zu Nancy in die Stanley Av, wie immer bisher zieht sich die Strecke, wir kommen wieder durch die downtown und vorbei an vielen Zelten, ja einen Markt der Obdachlosen. Unendlich lang durch die Wilshire, bis wir am Ziel sind. Für hiesige Verhältnisse ist das fast ums Eck von Hansis Haus.

Mit Nancy sind wir noch einen Sprung ins LACMA, das schon am Zusperren war, haben prompt ein paar Sachen der Wiener Werkstätten gesehen (Josef Hoffmann, Thonet-Sessel und so), was ja in den Umkreis der Arts & Crafts gehört. Einen Felsblock auf zwei Betonmauern gibt es dort auch, und ganz erstaunlich einen Teich auf seinerzeit abgebauem Teer, aus dem noch immer Öl und Gasblasen ans dem darunter in so 1000m Tiefe liegendem Ölfeld aufsteigt. Darin sind unzählige Tiere in der Eiszeit steckengeblieben und versunken, wozu es Ausgrabungen und viele Funde gab.
Nancy macht uns schließlich ein Abendessen.

Schließlich sind wir dann mit Nancy in eine Gratisvorstellung von „The Bookshop“ gegangen. Ich bin mitgekommen, weil ich den Film auf der Herflug ja schon auf deutsch gesehen habe. Was wirklich das Tolle am Lesen ist, bleibt aber unklar bzw. halt dünn dargestellt.

Dienstag 14.8.2018

Wir fahren auf Santa Catalina. Bus, zweimal Metro, das 2. Mal bis zur Endstation in Long Beach. Man sieht per Öffis viel mehr und unterhält sich besser als im Auto. In Long Beach fragen wir und bekommen die „directions“ zum Bus zur Ablegestelle des Catalina Express. Im Bus allerdings fehlt es uns an „Change“, „take the next bus“ ist der Bescheid. Um dafür „Change“ zu haben, esse ich einen „Beef Dog“ und Hedi kauft ein Sackerl irgendwas, worauf wir wieder zu wenig „Change“ haben und sie ein zweites Sackerl kaufen muss. Nach so 20, 25 Minuten kommt der nächste Bus. Diesmal klappts. Wir erstehen Tickets nach und von der Insel mit 3 Stunden Aufenthalt dort. Der Catamaran mit dem Firmennamen zischt mit 30 Knoten los und braucht trotzdem mehr als eine Stunde nach Santa Catalina. Wir sitzen an der frischen Luft, besser: im kühlen und recht heftigen Fahrtwind ganz vorn, Gottseidank vor einem großen Schutzglas, besser -plastik. Fühlt sich gut an.

Schließlich drüben, we rent a bike, radeln ein bissl herum. Am Strand von Avalon, so heißt der Ort, ohne dass im Prospekt was von König und Guinevra steht, die ja auf der sagenhaften „Apfelinsel“ begraben sein sollen, munteres Treiben am Strand, wir fahren schließlich nach links hinaus zu einer menschenärmeren Strecke des Strands, wo Hedi über großen Kieselsteine ins Meer watet und ein wenig schwimmt. Meine Fotos finden keine Gnade vor ihrem Angesicht. Weiter draußen liegt ein Kreuzfahrschiff, kleine Ausflugsboote haben offenbar die Passagiere nach Avalon gebraucht, weit draußen ein Schiff, das nicht groß, aber militärisch aussieht. Auf der Straße kommen von Zeit zu Zeit große Jeeps mit Touristen vorbei oder Baufahrzeuge, Baustelle aber sehe ich keine. Mehr Zeit müsste man für die Insel haben. Der Kaugummikönig Wrigley, dem der Boden mehr oder wenig zur Gänze gehört – die Großkapitalisten spielen in diesem Land eine Rolle wie bei uns weiland der Hochadel, bloß dass der bei uns in den Hintergrund getreten ist und im Vordergrund noch der Staat einiges von der Habsburgischen Krone als Erbe hat – , als der Wrigley hat laut Prospekt 88% der Insel zum Naturschutzgebiet erklärt, wohin nur diese Jeeps die Leute karren dürfen. Interessanter jedoch wäre wohl der 37 Meilen lange Wanderweg mit den Campingplätzen dazwischen.

Wir sitzen schließlich auf der vergeblichen Suche nach einem Café bei einem Fish and Chips essen ein Fisch-Sandwich und trinken jedes ein Bier. Hedi kauft noch ein paar Geschenke ein, dann brausen wir zurück nach Long Beach. Warten auf den Bus, dann warten auf die Metro beim Kampf mit dem Ticketautomaten, an dem wir unse „Tap“ aufladen, wir schaffen es schließlich – und in dem Augenblick fährt diese Straßenbahn, die nur zur letzten der 19 Stationen in den Untergrund fährt, 10 Meter ab und wartet an der Kreuzung. Wir dürfen auf die nächste warten. Unter 20 min rührt sich da nix. Die Öffis sind hier sehr gut, wenn es welche gibt, das aber ist zeitlich und örtlich sehr, sehr selten. Für Leute über 62 kostet die Fahrt zur rush hour 75, außerhalb 35 cent, was rein marktwirtschaftlich gedacht scheint. Wirklich voll haben wir Bus oder Metro auch zur Stoßzeit nicht gesehen. Das Auto ist „Normalität“, es gilt offenbar auch in dieser Entwicklung: first in, last out. Wir brauch jedenfalls von Long Beach bis zu Nancys Haus mehr als 2,5 Stunden. Einerseits ist LA abseit von downtown und einiges anderen Stellen ein riesiges Gewaber von sehr oft nur ebenerdigen Einfamilienhäusern, andererseits sind die Öffis eben wie beschrieben. Wir kommen heim, reden noch ein bisschen mit Nancy und gehen schlafen.

Mittwoch, 15.8.2018

Zuerst mit Nancy ins Foyer des Automobilmuseums, das durch seine Fassade von silbrigen, großen Metallplatten in allen möglichen gerundeten Formen, zwischen denen es rot hervorleuchtet, ein ebenso gerundetes Gebäude erscheinen lässt und damit schon ziemlich einzigartig ist. Da können wir noch gratis einige Oldtimer und nicht uninteressante Erklärungen über die Automobilisierung sehen. Wir zahlen nicht, sondern gehen wieder. Das LA County Museum for Contemporary Art hat heute geschlossen, nur einige Skulpturen kann man besichtigen. Hedi und Nancy gehen auf einen Markt, ich ins Tar Pit – Museum, schau mir an, welche Vielfalt von Lebewesen da in diesen Asphaltfallen in der Eiszeit umgekommen ist und mach zwei Videos von einem bewegten Mammut und einem Säbelzahntiger, der sich in ein armes, großes „Ground Sloth“ verbeißt. Ob die Mili noch interessieren werden? Oder den Junior, der als Kind so gern Säbelzahntiger gespielt hat? In Museumspädagogik sind sie hier aber wirklich groß da, find ich. Die angedeutete Geschichte der spanischen Kolonisierung und der schließlich der Übernahme durch die US-amerikanischen Siedler im 19. Jh. kommt mir auch gut dargestellt vor.

Ich treffe die beiden Frauen bei Nancys Haus. Wir warten auf Niza und Mark, die uns so ungemein dicht und herzlich betreuen, dass wir schon ein ziemlich schlechtes Gewissen haben. Sie kommen, wir fahren zum „Farmers‘ Market“, der sich zu einem großen Marktplatz von kleinen Restauratnts, Fressbuden und ein paar Verkaufsbuden entwickelt hat, zu dem aber Touristen mit ihren Bussen gelotst werden. Hedi und ich essen was Mexikanisches, wir haben Niza und Mark eingeladen, es stellt sich aber heraus, die haben schon geluncht. Unser schlechtes Gewissen nimmt zu. Wir fahren noch rüber zu Hansi. Die sucht gerade in ihren Schachteln ein Wiesmath-Foto, findet zwar alles Mögliche, bloß nicht das Gesuchte. Wir plaudern ein bisschen über ihre Fotos, Niza und Mark sagen dann, dass das Hansis Stimmung sehr gehoben habe;

dann sind wir „on the road again“ – unterwegs zu Deidre, unserem nächsten Servas-host. Sie wohnt in einem Apartmenthaus, ist eine quirlige Frau, wir haben mit Niza und Mark ausgemacht und sie hat zugestimmt, sie kommt mit zur Hollywoo-Bowl, wo heute Jazz auf dem Programm steht. Niza hat im Internet Karten gebuch, auch für Deidre. Diese kennt sich aus bei diesen Veranstaltungen, N. Und M. Waren nur einmal dort – 1974. Also hat Deidre Picknick besorgt, das man dort zu verzehren hat. Mark und ich werden aus der Küche gewiesen, die drei Frauen richten die Sachen her. Wir dürfen sie bloß hinunter zum Auto tragen. Wir sind spät dran, aber viele andere auch.

Wir haben keine Parkplatzreservierung – macht nix, es ist eh Platz, sagen die Einweiser, wir, d.h. Niza und Mark zahlen die stolze Summe. Wir parken in einer Kolonne, die nur wegfahren kann, wenn möglichst alle zugleich zum Auto kommen und wegfahren. Nizas Kartenausdruck enthält nicht den Bar-Code. Aber ersten haben Deidre und der Mann am Kontrollpunkt, der auch im Kunstbusiness ist, einen gemeinsamen Bekannten und zweitens ist für das Problem eine Lösung vorgesehen, für die wir zu einem anderen Schalter geführt werden. Wir müssen dann zwar noch einmal durch den Security-Check, ohne den geht da nix, aber das kostet nur wenig Zeit. Über Rollsteige, Stiegen, Lifte gelangen die Massen ohne Gedränge auf ihre Plätze in dem Amphitheater für über 17.000 Zuschauer. Hinten auf den billigeren Plätzen, wo wir hingehören, ist viel frei, wir können mindestens eine Kategorie hinunterrücken, weiter, ja weit unten aber schaut es sehr dicht aus. Die Bühne ist ur-weit weg, aber vier große Screens halten uns auch visuell auf dem Laufenden. Vorprogramm ein Stepptänzer mit Bank. Am Schluss lässt er noch drüber abstimmen, welches Leiberl er anziehen soll. Es gewinnt das mit der Aufschrift „I miss Barak Obama.“ Vom Programm her ist es eine Enttäuschung, sehr flacher Jazz, passend zu den Texten. Wir hätten es doch so einteilen sollen, dass wir erst Donnerstag gehen, da hätte Dudamel die LA Phil für ein klassisches Programm dirigiert.
Niza und Mark führen uns und Deidre heim.

Donnerstag 16.8.2018

Am Vormittag trödeln wir in der Wohnung dahin. Deidre ist arbeiten, wir schreiben an den Tagebüchern. Schließlich machen wir uns zu Mittag auf den Weg in den Griffith Park. Deidre hat eine Beschreibung des Wegs und der Öffis geschrieben. Wir kommen anstandslos, mit relativ mäßiger Wartezeit zum Observatorium relativ hoch oben. Wir lernen ein Foucaultsches Pendel kennen und etliches über populäre Astronomie,

Wir gehen rauf zum Gipfel des Hollywood Moutains, großteils auf den angelegten Fahr-Trails, ein Stückerl dann über einen alten Wanderweg. Bäume gibt es nicht, ein wenig dürres Gestrüpp, etliches vor nicht langer Zeit verbrannt. Aussicht auf den gesamten Sprawl von L.A., ein bissl dunstig ist es. Wir gehen schließlich zurück und erfahren, dass der nächste städtische Bus zurück zur Metra Sunset / Vermont erst in 55 min fährt. Wir wandern daher zurück bis dorthin, von dort nach Sunset / Hyperion. Weil ich nicht sicher bin, ob wirklich downtown in meiner vermuteten Richtung liegt, frage ich meinen Nachbarn im Wartehäusl. Er und ein zweiter nehmen sich der Sache mit meiner Aussprache an. Wie ich den „Oben Gehenden“ auch ausspreche, sie verstehen Hesperia, ja sie fragen sogar einen Buschauffeur. Schließlich gelingt es doch noch, das Vermutete bestätigt zu bekommen. Es ist unglaublich, wie sehr die beiden sich die Frage angelegen sein haben lassen. Wir verabschieden uns voneinander mit herzlichem Händeschütteln.

Schließlich laden wir Deidre noch zum Abendessen in einem guten, aber recht lauten Lokal ein. Japanisch, schmeckt gut. Wir sitzen an der Schank, ich verstehe nur was, wenn Deidre sich zu mir wendet. Muss Hedi noch fragen, was sie noch alles erfahren hat. Auf jeden Fall war ihr Vater Krimi-, SF-Autor, zuletzt auch mit „höheren“ Gattungen bschäftigt. Viel vererbt hat er ihr aber wahrscheinlich nicht, sie jobbt ziemlich zeitaufwendig und fünfgeteilt, um über die Runden zu kommen. Auf der Heimfahrt zeigt sie uns den „Lusterbaum“, wo der Besitzer Luster in einem Baum aufhängt und abend leuchten lässt.

Freitag, 17.8.2018

Wir fahren mit Deirdre zur Baustelle von Academy Museum of Motion Pictures beim LACMA und beim Petersen-Museum. Wir bekommen eine Führung durch die Baustelle und die Pläne, die sie haben. Sie sammeln Geld für den Bau und haben beinahe schon die Gesamtsumme beisammen. Eigentümer des Grunds und des Gebäudes wird das LACMA sein, Betreiber die Academy, wenn ichs richtig verstanden habe. Wir treffen im bestehenden Verwaltungsgebäude die ausgewanderte junge Linzerin Doris Bergner, die hier laut Visitenkarte Exhibition Curator / Academy Museum / Academy of Motion Picture Arts and Science ist. Wir sprechen mit ihr ein wenig, sie zeigt sogar Interesse an meinem Buch und möchte die englische Übersetzung erhalten.

Eine Freundin von Deirdre führt uns über die Baustelle dieses „Space Ships“ unter dem Schutz eines Sicherheitsbeauftragten, der uns auch seine bisherige Karriere erzählt, darunter offenbar ein übergelaufener Stausee, wenn ichs richtig verstanden habe. Reger Betrieb auf der construction site, schaut gut organisiert aus, alle werken, keiner steht herum. Es wird unten einen weiten Durchblick, sozusagen von Avenue zu Blvd geben und die verschiedensten Dinge zum Anschauen, wobei vieles ein Handy oder Tablet voraussetzt, die mittels einer App auf Inhalte, auf die ihre Kamera gerichtet ist, mit Erklärungen in Bild und Ton reagieren. Space Ship sagt sie nicht zufällig, es sieht mit seiner Kugel und dem angeschlossenen Quader bewusst so aus. Die Führung jedenfalls war ein Privileg tät ich sagen, wie kommen wir dazu, frage ich mich.

Leider hat sich dann herausgestellt, dass ich mein Handy beim Aufbruch von Deirdre auf dem Frühstückstisch habe liegen lassen. Das bringt uns noch weiter „in Schulden“ bei Mark und Niza, die uns dann bei der „Berlin Wall“, ein paar Mauersegmenten von dort in diesem Musuemsviertel, von denen die beiden gar nix gewusst haben, abholen. Statt Nizas geplanter Rundfahrt durch „ihr L.A. fahren wir zu Deirdre ums Handy, ich geniere mich, aber das macht auch nix besser. Dann lunchen wir in einem „Whole Food“ und fahren weiter zu Dennis hinab nach Venice, für LA – Verhältnisse ums Eck von unserer ersten Adresse.

Dennis lebt im Parterre eines Häuschens in einer drei Zimmerwohnung mit „nur“ einem Badezimmer. Er ist Junggeselle mit einer zwanzigjährigen Beziehung zu einer Frau, die anderswo wohnt, nicht einmal in der Nähe. Die Wohnung ist ziemlich angeräumt, sein Arbeitszimmer voller Papieren auf Tischen und Kastln, wir sind auf dem Ausziehsofa im Wohnzimmer einquartiert. Er ist ein „lässiger Typ“, hat keine Kinder, aber einen „kleinen Bruder“, den er als Schützling von einer jüdischen Organisation zur Betreuung übernommen hat. Er selber ist „cultural Jew“. Wir fahren mit ihm schließlich ins neue „Wende Museum“, das dem Kalten Krieg und dem Unter- bzw. Übergang Osteuropas, also der „Wende“ gewidmet ist. Aktuell ausgestellt ist Ungarn. Es ist eine gute Dokumentation Ungarns ab 1956 bis 1989 mindestens, weiter komme ich nicht, ich höre bei Orbans Rede zum Begräbnis für Imre Nagy auf, Dennis und Hedi warten schon. Habe aber etliches fotografiert, auch Text. Am interessantesten habe ich gefunden, dass da vom Übergang von einem staatsgelenkten zu einem demokratisch-marktorientierten „Consumerism“ gesprochen wird!

Anschließend fährt uns Dennis durch sein Venice, in einem LA, wo die Verkehrsüberwachung und -bestrafungskameras abgeschafft sind und eins auf dieselben im benachbarten Culver City achten muss, zeigt, wie die Gegenden gentrifiziert wurden und weist auf die alten, einfachen Häuser hin, die noch bestehen. Schließlich kurz „nach Hause“ und dann zum Mexikaner Tacomedundo oder so zum Dinner. Dann noch einmal ein bissl Führung, zum Binocular z.B. und dann wieder nach Hause. Bett herrichten, schlafen.

Samstag 18.8.2018

Morgens aufwachen und das Bett wieder zu einem Sofa zusammenschieben. Frühstücken mit Dennis auf Sofa und Couchtisch. Dann schreib ich das Tagebuch, Hedi geht mit Dennis einfkaufen. Es zieht sich ein wenig, schließlich kommt Dennis‘ Freundin Shi, mit der er schon 20 Jahre beisammen ist, ohne sein Junggesellendasein aufzugeben. Sie ist ein ruhiger, vielleicht aber recht bestimmter Mensch, auch schon in Pension. Wir fahren hinauf in den Norden nach Bel Air, wo Annie Lampl, geb. Wagner wohnt. Es ist eine höchst fashionable Gegend mit Villen und Baustellen für solche. Auch gibt es hier sowas wie einen Wald. Sie wohnt in einem großen Haus, ihr Sohn und auch ein Enkel ist auf Besuch. Auch die 24-Stunden-Betreuerin ist da. Annie wird im Oktober 101 Jahre alt und ist seit Jahren blind. Sie wünscht es niemandem so alt zu werden, weil sie mittlerweile für alles Körperliche betreut werden muss. Nur ihr Geist ist wach und recht beweglich. Sie hat uns herzlich begrüßt und binnen kurzem hat sich herausgestellt, dass sie Josefstädterin ist und in unserer Straße auf Nr. 56 gewohnt hat. Ihr Vater hat erfolgreich mit Holz gehandelt. Mit dem jungen Lampl war sie 1938 als damals 21 Jährige schon liiert, sie wollte aber noch nicht heiraten, obwohl sie dann nicht mit ihm, der in Italien geboren war und deswegen gleich hat nach Amerika auswandern hat können, mitkommen konnte. Sie ist dann ein Jahr später in L.A. eingetroffen, wo ihr Freund sich schon recht gut niedergelassen hatte. Sie hatte nur $ 2,50, er schon 80. Wohlhabend war das noch nicht. Das waren sie nicht einmal noch in den ersten Fünfzigern, als sie dieses Haus erstanden haben. Dieses war eine Fehlspekulation eines „Developers“, der geglaubt hat, hier, wo damals nur „Stana glegn sind“ reüssieren zu können. Sie haben das Haus sehr billig kaufen können, dann habe sie hier die Bäume gepflanzt, die jetzt so groß seien. Sie hat mit ihrer Schwester auf dem Balkon in der Wohnung in Wien davon geträumt, unter Bäumen zu wohnen. „Der Hitler hat mir das dann ja ermöglicht“, sagte sie. Je länger wir reden, desto mehr ist Frau Lampl gerührt von unserem Besuch. Hansi Katz möchte sie gerne kennenlernen. Ich solle das per mail und tel.nummer ermöglichen. Statt der erwarteten einen Stunde werden es fast drei.

Dennis und Shi bringen uns schließlich zum „Farmers‘ Market“, der vielleicht ein mögliche Zukunft des Naschmarkts zeigt – kaum noch Standler, fast nur mehr Fressbuden und kleine Restaurants. Wir gehen aber eh nur durch, Hedi hat vor dem Whole Foods Blumen gesehen und will Hansi welche mitbringen. Sie findet auch sehr zügig den Weg dorthin, ich lass mich vom Mitfahren im Auto ziemlich verwirren und würd mich immer verirren ohne auf der Strecke schon gegangen zu sein oder wenigesten mit dem Bus gefahren zu sein. Wir kommen auch ohne Umwege zu Hansis Haus. Sie, Niza und Mark, erstamls auch Ruth sitzen schon im Garten, Eli, Siegfrieds Sohn und seine Frau Mary, eine zum Judentum konvertierte Christin kommen bald dazu. Auch sie sehen wir so wie Ruth zum ersten Mal. Eli hat früher Plastiksackl und sowas erzeugt, alle Verwandten, die aus Israel für längere Zeit hierhergekommen sind, haben damals bei ihm gearbeitet, betont Hansi. Heute jedenfalls ist auch er schon in Pension. Ich spreche wieder vor allem mit Hansi und notiere mir ein paar Sachen, die im Buch nicht stehen, aber vielleicht in der englischen Übersetzung Platz haben könnten. Schließlich kommen überraschend auch noch Dennis und Shi. Niza und Mark haben sich mit unseren Servas-hosts, also mit Nancy, Deirdre und Dennis sehr gut verstanden, angeblich ist Tochter Daniela schon entschlossen beizutreten, auch homeexchange könnte sie interessieren. Zunächst aber wird sie demnächst hier in L.A. heiraten, ihre Eltern sind mit den Vorbereitungen auch schon sehr beschäftigt. Eli und Mary haben sich schon verabschiedet, schließlich fahren auch wir nach Stunden hier, also Hedi und ich mit Dennis und Shi zurück nach Venice

Sonntag, 19.8.2018

Bett abziehen, Packen, Frühstücken. Dann zeigt Dennis noch, wo „America“ einkauft: Also fahren, gehen ist nicht, zu Trader Joe‘s, der direkt bei Prduzenten qualiätsvoll einkaufe, viele Eigenmarken habe, irgendwie demokratisch organisiert und daher was Gutes sei. Dann ins 99 Cent-Geschäft, die es ja ähnlich auch bei uns gibt. Interessant aber, wie anerkennend über die Geschäftsidee der beiden jungen Israeli da berichtet wird. Einen speziellen Senf, den Hedi Renee mitbringen soll, suchen wir in einem Geschäft der high level – Kette Pavilion, wo wir dann auf jeden Fall etwas dem Gewünschten Ähnliches erstehen. Zuletzt noch zum Cost.com, das ein wholesale ist, im Prinzip nur an Mitglieder, und das eben nicht en Detail, sondern en gros verkauft. Sie haben für die Angestellten bessere Bedingungen. Damit wissen wir also, wo das gute Amerika einkauft, witzelt Dennis. CSA kennt er – erstaunlicherweise – nicht. Niza und Mark übrigens auch nicht. Man bedauert die Obdachlosen, an denen wir immer wieder in der Nähe der Innenstadt vorbeikommen, findet es gut, dass für sie durch ein Referendum Steuermittel zur Verfügung gestellt werden. Dass es sie gibt, scheint auch für die Liberals, zu denen die Servasse wie die home-exchanger meist gehören, normal zu sein.

Dann fahren wir noch mit einem Boot-Bus auf der Marina del Rey, weltgrößter Hafen für kleine Schiffe, also so Kleinjachten, spazieren und lunchen noch. Schließlich bringen sie uns auf den Flughafen. Herzliche Verabschiedung.Wir sind zu Hedis Erleichterung eh sehr früh dran. Eingecheckt sind wir schon automatisch, haben wir per mail erfahren, geben unser Gepäck ab, bekommen die Bord-Karten hier noch ausgedruckt (der Printer von Dennis ist kaputt), haben dann bis zum Bording noch fast zwei Stunden Zeit, Hedi kauft noch Geschenke ein. Ich verbringe den Flug nach Zürich mit Filmen und Ferseh-Serien, der nach Wien dauert sowieso nur wenig über eine Stunde. Wir sind so um 4 Uhr in L.A. auf dem Flughafen angekommen, in der Wohung bei uns dann so um 8. 13 Stunden Reise für an die 10.000 km. Diesmal keine Verspätungen. Die längste Zeit der Reise als Sardine eingeklemmt in einer fliegenden Dose.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Time limit is exhausted. Please reload the CAPTCHA.